Prof. Dr. Jakob Altaras  
 
Wer war er?

Prof. Dr. Jakob Altaras

Jakob wurde am 12. Oktober 1918 als Jüngster von sechs Brüdern in Split, Kroatien, damals noch kurze Zeit Teil des Habsburger Reiches, geboren. In Split, inzwischen Teil des jugoslawischen Königreiches, machte er seine altsprachliche Matura. Trotz der Gefahren und Wirren des zweiten Weltkriegs studierte er Medizin im italienischen Bari und legte dort 1944 sein Staatsexamen ab.

Jakob Altaras war Mitglied des jugoslawischen Widerstandes gegen die Nationalsozialisten. Als die Synagoge in Split in Brand gesteckt wurde, gelang es ihm, die Thora und andere geheiligte Gegenstände aus den Flammen zu retten. 1943 schmuggelte er aus dem deutsch besetzten Kroatien, in dem Juden ebenso schlimm verfolgt wurden wie in Deutschland, 40 Kinder über die Adria nach Italien, von wo sie weiter nach Palästina gelangten. Im „Wald der Gerechten" der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem wurden ihm dafür ebenso viele Bäume gepflanzt. Als Teil der Widerstandsbewegung Tito's schleuste er sich heimlich in ein KZ ein und erkundete erfolgreich die Möglichkeit, wie die Insassen bei der Übernahme des KZ durch die Deutschen fliehen können.

Später gestand er, ihm sei das alles nur gelungen, weil er „jung und unbedacht“ gewesen sei. Er überlebte den Krieg, wiederholte sein medizinisches Staatsexamen 1946 in Zagreb, in dem Tito herrschte. Er wurde wissenschaftlicher Assistent für Radiologie beim legendären Prof. Dr. Smokvina in Zagreb. Seine praktische radiologische Ausbildung erhielt er im Militärhospital im Zagreb.

Seit Mitte der 50iger Jahre war er Leiter des Zentrums für Radiologie und Nuklearmedizin im Militärkrankenhaus Zagreb. Gleichzeitig führte er bis zur Sozialisierung der Medizin 1960 eine Privatpraxis in Zagreb. 1958 habilitierte er, wurde privat – Dozent für Radiologie und hielt seitdem Vorlesungen an der medizinischen Fakultät.Im selben Jahr heiratete er die Dipl.-Ingenieurin und Architektin Thea Fuhrmann. Die gemeinsame Tochter Adriana Altaras macht sich in späteren Jahren einen Namen als Schauspielerin und Regisseurin.

Jakob Altaras verlässt 1964 mit seiner Familie Jugoslawien. Die Schwierigkeiten des Titoschen Regimes wurden unerträglich.

1964 bis 1966 arbeitet er in Zürich, Röntgendiagnostisches Zentralinstitut der Universität. Die Einbürgergesetze der Schweiz verhindern eine weitere Beschäftigung.

1966 kam er so an die Universitätsklinik Gießen. Deutschland wird seine Heimat, trotz der nationalsozialistischen Geschichte. Es hat eine gewisse geschichtliche Ironie.

Sein Name und der Name der Gießener Universität wird über die Grenzen Deutschlands hinaus in Europa und Amerika ein Begriff.

Im Jahre 1978 gründet er eine neue Jüdische Gemeinde in Gießen. Mit politischem Geschick, seiner charismatischen Persönlichkeit und seinem ehrlichen Interesse am Schicksal der „kleinen Leute“, leitet er als Vorsitzender die Gemeinde.

1995 erhält Gießen wieder eine Synagoge. Es war die Idee und Planung seiner Frau Dr. Thea Altaras, die ehemalige Synagoge der kleinen hessischen Landgemeinde Whora, einen Fachwerkbau, umzusetzen und am Burggraben 6 mitten in Gießen wieder aufzubauen. Ein Gemeindezentrum wird als Neubau errichtet, in dem nicht nur die Gießener Gemeinde, sondern auch jedes Jahr Austauschstudenten aus Israel ein zu Hause finden.

Jakob Altaras erhält für sein gesellschaftliches Engagement vom Bundespräsidenten Herzog das „Große Bundesverdienstkreuz“. Am 06. Dezember 2001 stirbt Jakob Altaras.

Sein Enkel Aaron Altaras erhält im Frühjahr 2007 als 12jähriger den Grimme-Preis für besondere schauspielerische Leistungen. In den Fernsehfilm „Nicht alle waren Mörder“ hatte er das Überleben eines jüdischen Kindes im nationalsozialistischen Berlin dargestellt. Der Großvater hätte das sicher sehr gern miterleben wollen, schade …